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Vibe-Coding für die Firmenwebsite: Wo Lovable & Co. an ihre Grenzen stoßen

27 August 2026 · Isabel Pickert

Illustration: ein einzelner, zerbrechlicher Baustein mit Rissen neben einem sauberen Modul-Raster aus Kalender-, Such-, Warenkorb- und Sprach-Icons – Symbolbild für Vibe-Coding im Vergleich zu einer ausbaufähigen Website

Du hast wahrscheinlich schon mit Lovable, Bolt oder v0 herumgespielt. Ein paar Sätze eingetippt und zehn Minuten später stand eine Website, die auf den ersten Blick richtig gut aussah. Genau das macht Vibe-Coding so verlockend, gerade für Gründer und kleine Teams ohne eigene Entwicklungsabteilung.

Die Frage ist nur: Reicht das für die Website deines Unternehmens? Und was passiert, wenn du in sechs Monaten ein Buchungssystem, eine zweite Sprache oder einen Newsletter brauchst?

In diesem Artikel schauen wir uns ehrlich an, wofür Vibe-Coding-Tools wirklich gut sind, wo ihre Grenzen liegen und worauf du achten solltest, bevor du deine Firmenwebsite darauf aufbaust.

Was Vibe-Coding-Tools wie Lovable, Bolt und v0 eigentlich sind

Vibe-Coding ist im Kern simpel. Du beschreibst in normaler Sprache, was du willst und ein KI-Modell schreibt den Code dafür.

Der Begriff kommt aus der Entwickler-Szene. Er meint das Gefühl, sich durch ein Projekt zu "vibe"n, statt jede Zeile selbst zu tippen.

Geprägt hat den Begriff 2025 der KI-Forscher Andrej Karpathy, vorher unter anderem bei Tesla und OpenAI. Er beschrieb damit genau dieses Programmieren im Flow, bei dem man der KI vertraut und selten in den generierten Code schaut.

Tools wie Lovable aus Stockholm, Bolt.new von StackBlitz oder v0 von Vercel haben diesen Ansatz für Websites und kleine Web-Apps zugänglich gemacht. Du schreibst einen Prompt, bekommst eine funktionierende Seite, änderst per Chat weiter.

Für viele ist das der erste eigene Kontakt mit einer Website überhaupt, ganz ohne Agentur und ohne Entwickler. Kein Wunder, dass diese Tools so schnell so populär wurden.

Wofür Vibe-Coding-Tools wirklich gut sind

Bevor wir über Grenzen sprechen: Diese Tools verdienen ihren Ruf. Für bestimmte Aufgaben sind sie unschlagbar schnell.

Wofür sie sich in der Praxis wirklich eignen:

  • Eine Landingpage für einen Pitch, ein Event oder einen schnellen Test
  • Ein Prototyp, der eine Idee sichtbar macht, bevor echtes Geld in Entwicklung fließt
  • Ein internes Tool, bei dem Tempo wichtiger ist als Robustheit
  • Ein erster Einstieg, wenn du einfach verstehen willst, wie eine Website überhaupt aufgebaut ist

Für diese Zwecke ist Vibe-Coding oft die klügere Wahl als eine klassische Website-Entwicklung. Warum drei Wochen auf eine Agentur warten, wenn du in einer Stunde ein Ergebnis brauchst, das nur getestet werden soll?

Der Moment, in dem es kompliziert wird

Wie es einer unserer Entwickler kürzlich formulierte: Natürlich lässt sich mit Vibe-Coding-Tools sehr schnell eine Website bauen, die auch noch gut aussieht. Die Probleme fangen aber an, sobald es ins Detail geht.

Das Detail ist meistens nicht das Design. Design können diese Tools mittlerweile erstaunlich gut.

Das Detail ist alles, was unter der Oberfläche liegt: Hosting, Wartung, Sicherheit, Erweiterbarkeit. Genau die Dinge, die ein Gründer beim ersten Prompt selten mitdenkt.

Hast du dir schon mal angeschaut, wo deine mit KI gebaute Website eigentlich läuft und wer im Ernstfall dafür verantwortlich ist?

Keine produktionsreife Infrastruktur unter der Haube

Eine Website, die im Editor gut aussieht, ist noch keine Website, die produktionsreif läuft. Das ist der erste blinde Fleck bei vielen Vibe-Coding-Ergebnissen.

Produktionsreif heißt: Backups sind eingerichtet, Fehler werden überwacht, die Seite verträgt einen Ansturm von Besuchern, ohne offline zu gehen. Bei den meisten schnell generierten Projekten ist davon nichts vorhanden.

Das merkst du nicht am Starttag. Das merkst du, wenn die Seite mal ausfällt und niemand weiß, warum.

Hosting und Datensicherheit: offene Fragen

Wo genau läuft deine Website eigentlich? Bei vielen Vibe-Coding-Projekten ist das nicht klar dokumentiert, sondern irgendwo in den Voreinstellungen des Tools versteckt.

Das wird spätestens dann zum Problem, wenn Kundendaten im Spiel sind. Ein Kontaktformular, ein Newsletter-Anmeldeformular, vielleicht sogar Zahlungsdaten: Wo landen diese Informationen und wer hat theoretisch Zugriff darauf?

Für ein Unternehmen mit Sitz in Deutschland ist das keine Nebenfrage. Es geht um DSGVO-Pflichten, die nicht verschwinden, nur weil eine KI den Code geschrieben hat.

Wartung: Wer patcht eigentlich die Lücken?

Jede Software hat Abhängigkeiten. Bibliotheken, Frameworks, kleine Bausteine, die ständig aktualisiert werden müssen, weil sonst Sicherheitslücken offenbleiben.

Bei einer klassisch entwickelten Website gibt es dafür eine Struktur: Jemand ist zuständig, Updates laufen regelmäßig. Bei einer mit einem Prompt generierten Seite gibt es diese Struktur meistens nicht.

Die Seite läuft heute. Ob sie in einem Jahr noch sauber läuft, hängt davon ab, ob überhaupt jemand hinschaut.

Zugangsdaten: Wer hat Zugriff auf was?

API-Keys, Hosting-Zugänge, Admin-Konten. In jedem Vibe-Coding-Projekt sammeln sich Zugangsdaten an, oft schneller, als man denkt.

Typische Fragen, die in der Praxis offenbleiben:

  • Wer außer dir kennt das Passwort für das Hosting-Konto?
  • Was passiert mit den Zugängen, wenn ein Teammitglied das Unternehmen verlässt?
  • Liegen API-Keys irgendwo offen im Code, statt sicher verwahrt zu sein?
  • Gibt es überhaupt eine Liste, wer worauf Zugriff hat?

Diese Fragen klingen nach Kleinkram. Sie werden erst dann laut, wenn etwas schiefgeht und niemand mehr rankommt.

Woran man merkt, dass man die Grenze erreicht hat

Diese Grenze kommt selten mit Ankündigung. Sie zeigt sich in kleinen, nervigen Momenten, die sich häufen.

Es gibt ein paar typische Signale dafür, dass ein Vibe-Coding-Projekt an seine Grenzen stößt:

  • Jede kleine Änderung dauert plötzlich länger als beim ersten Prototyp
  • Der Chat-Verlauf mit dem KI-Tool wird länger als die eigentliche Website
  • Niemand im Team traut sich mehr, größere Anpassungen selbst vorzunehmen
  • Eine gewünschte Funktion lässt sich einfach nicht sauber einbauen, egal wie der Prompt formuliert wird
  • Die Ladezeit oder Stabilität der Seite wird zum Kundengespräch

Kommt dir eines davon bekannt vor? Dann bist du nicht allein. Das ist der Punkt, an dem viele Gründer merken, dass "schnell gebaut" und "dauerhaft tragfähig" zwei unterschiedliche Dinge sind.

Der Praxistest: Was passiert, wenn eine neue Funktion dazukommt?

Der ehrlichste Test für jede Website ist nicht der Launch-Tag. Es ist der Tag, an dem eine neue Anforderung reinkommt.

Ein Buchungssystem einbauen

Ein Frisör, ein Berater, ein Studio: Irgendwann soll man online einen Termin buchen können. Das klingt nach einer kleinen Ergänzung.

In Wirklichkeit braucht ein Buchungssystem eine Datenbank, Kalenderlogik, oft eine Zahlungsanbindung. Auf einer Vibe-Coding-Basis heißt das meistens: neuer Anlauf, statt einfache Erweiterung.

Formulare und Suche

Ein Kontaktformular ist meistens noch machbar. Eine Websuche über hunderte Unterseiten, ein Wiki-Bereich oder ein Mitgliederlogin sind eine andere Kategorie.

Hier zeigt sich, ob unter der Website eine echte Struktur liegt oder nur eine Ansammlung generierter Einzelseiten.

Eine Suche über hundert Seiten braucht einen Index, der bei neuen Inhalten automatisch mitwächst. Bei handgeklickten Vibe-Coding-Seiten fehlt dieser Unterbau meistens komplett, weil ihn nie jemand eingeplant hat.

Newsletter, Shop und Mehrsprachigkeit

Ein Newsletter-Formular mit Double-Opt-in. Ein kleiner Online-Shop mit echten Bestellungen. Eine zweite Sprachversion, die nicht einfach nur übersetzt, sondern auch separat gepflegt werden kann.

Jede dieser Funktionen ist für sich genommen normal für eine Unternehmenswebsite. Zusammen sind sie der Grund, warum viele Vibe-Coding-Projekte irgendwann komplett neu gebaut werden müssen, statt nur erweitert.

Wie oft hast du schon gehört: "Das bauen wir dann später dazu"? Bei einer soliden Basis ist das eine Buchung. Bei einer reinen Vibe-Coding-Struktur ist es oft ein Neustart.

Was eine Website wirklich erweiterbar macht

Erweiterbarkeit ist kein Marketingwort, sie lässt sich an konkreten Dingen festmachen. Eine Website ist dann wirklich erweiterbar, wenn:

  • Ein eigenes CMS existiert, über das Inhalte und Medien ohne Entwickler gepflegt werden können
  • Neue Seiten oder Sprachversionen sich hinzufügen lassen, ohne die bestehende Struktur zu zerlegen
  • Funktionen wie Suche, Chatbot, Newsletter, Mitgliederbereich oder Shop als Module nachrüstbar sind
  • Der technische Unterbau (der Tech-Stack) auf einem verbreiteten, gepflegten Fundament steht, statt auf einer Blackbox
  • Klar dokumentiert ist, wer Zugriff auf Hosting, Domain und Zugangsdaten hat

Genau an diesen Punkten trennt sich ein schneller Prototyp von einer Website, mit der ein Unternehmen tatsächlich wachsen kann.

Ein Beispiel aus der Praxis

Wir haben selbst ein Projekt begleitet, das genau diesen Weg gegangen ist: von einer Vibe-Coding-Plattform zu einer soliden, mehrsprachigen Basis. Bei "Rocket Routine" ging es um eine Content-Migration und einen sauberen Rebuild in mehreren Sprachen, ohne bei null anzufangen.

Der ursprüngliche Prototyp hatte seinen Job gut gemacht. Er hatte gezeigt, wie die Seite aussehen soll und welche Inhalte gebraucht werden.

Für den dauerhaften Betrieb brauchte es danach trotzdem eine andere Grundlage. Das ist keine Ausnahme, sondern ein Muster, das wir öfter sehen.

Inhalte mussten übernommen werden, ohne verloren zu gehen. Mehrere Sprachversionen mussten sauber gepflegt werden können, nicht nur einmalig übersetzt sein. Am Ende stand eine Website, die weiterläuft, statt beim nächsten Wunsch wieder komplett neu gebaut zu werden.

SEO und KI-Suchsysteme von Anfang an mitdenken

Eine Firmenwebsite wird heute nicht nur von Google gelesen. ChatGPT, Perplexity und ähnliche Systeme durchsuchen und zitieren Websites inzwischen genauso.

Dafür braucht es mehr als hübsches Design: saubere Struktur, strukturierte Daten, klare Antworten im Text, im Idealfall eine llms.txt-Datei, die KI-Systemen hilft, die Inhalte einer Seite richtig einzuordnen.

Bei einer schnell zusammengeklickten Vibe-Coding-Seite ist das selten mitgedacht, einfach weil es beim ersten Prompt niemand abfragt. Bei einer von Grund auf sauber strukturierten Website ist es Teil des Fundaments.

Fragst du dich gerade, ob deine eigene Website überhaupt für KI-Suchsysteme lesbar aufgebaut ist? Ein kurzer Blick in den Quellcode gibt oft schon die Antwort.

Schnell und professionell: kein Widerspruch

Die ehrliche Antwort auf die Frage "Vibe-Coding oder professionelle Website" lautet: Es kommt darauf an, was danach kommt. Für einen Test reicht Vibe-Coding oft völlig aus.

Für die Website, mit der ein Unternehmen sich dauerhaft zeigt, Kunden gewinnt und irgendwann ein Buchungssystem oder einen Shop braucht, ist eine solide Basis der bessere Startpunkt. Nicht weil Vibe-Coding schlecht wäre, sondern weil beide Werkzeuge für unterschiedliche Aufgaben gebaut sind.

Die gute Nachricht: Schnell und professionell schließen sich nicht aus. Es gibt inzwischen Wege, eine Website in vergleichbarem Tempo aufzusetzen, ohne dabei auf Struktur, eigenes CMS und spätere Erweiterbarkeit zu verzichten.

Der Unterschied liegt selten im Tempo am ersten Tag. Er liegt darin, was am dreißigsten Tag noch anpassbar ist, ohne dass jemand von vorn anfangen muss.

Kosten: schnell heißt nicht automatisch günstig

Der Start mit einem Vibe-Coding-Tool wirkt günstig, manchmal sogar kostenlos für die ersten Versuche. Das stimmt auch, für einen reinen Prototyp.

Die eigentlichen Kosten zeigen sich später. Nämlich dann, wenn die Seite komplett neu gebaut werden muss, weil sich ein Buchungssystem oder ein Shop nicht mehr sauber integrieren lässt.

Ein zweites Mal von vorn anzufangen ist teurer, als gleich mit einer erweiterbaren Basis zu starten. Das lässt sich an jedem Projekt beobachten, das zweimal gebaut werden musste: einmal schnell, einmal richtig.

Fazit: Was bedeutet das für deine Entscheidung?

Vibe-Coding-Tools sind gut für Tests, Prototypen und den ersten schnellen Eindruck. Für eine Firmenwebsite, die mitwachsen soll, fehlt oft die Struktur darunter: Hosting, Wartung, Zugangsdaten, echte Erweiterbarkeit.

Was brauchst du also wirklich: einen schnellen Prototyp für morgen, oder eine Basis, auf der in einem Jahr noch ein Buchungssystem, ein Shop oder eine zweite Sprache draufpassen?

Genau für diese Frage gibt es mittlerweile einen dritten Weg zwischen "langsame Agentur" und "Vibe-Coding ohne Struktur". websites. but-right. baut eine professionelle Website-Basis in vergleichbarem Tempo wie ein KI-Tool, aber mit eigenem CMS, modernem Tech-Stack und Modulen wie Buchungssystem, Shop oder Mehrsprachigkeit, die sich später einfach dazu buchen lassen. Wer wissen will, wie das konkret aussieht, findet dort den nächsten Schritt.

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